Gemeinsam gegen geschlechtsspezifische Gewalt: Berliner Delegation zu Gast in Wien
12.10.2026
Schnelle und unkomplizierte Hilfe bei geschlechtsspezifischer Gewalt braucht starke städtische Strukturen. Um sich über Wiener Lösungsansätze auszutauschen, besuchten Gleichstellungsbeauftragte aus vier Berliner Bezirksämtern vom 12. bis 14. Oktober 2026 Wien. Im Rahmen eines von der European Urban Initiative (EUI) finanzierten City-to-City-Exchange lernten sie unterschiedliche Einrichtungen und Maßnahmen im Bereich Gewaltschutz kennen.
Zum Auftakt traf die Delegation die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Wien. Diese ist für Fälle innerhalb der Stadtverwaltung und der stadtnahen Unternehmen zuständig. Die Stelle unterstützt Menschen aller Geschlechter, wobei Frauen den Großteil der Ratsuchenden ausmachen. In Berlin übernehmen die Gleichstellungsbeauftragten hingegen auch Aufgaben, die sich an die Bevölkerung richten. Dabei unterscheiden sich die personellen und finanziellen Ressourcen zwischen den einzelnen Bezirken.
Wiener Unterstützungsangebote im Fokus
Im Anschluss besuchte die Delegation den Verein Schwarze Frauen Community (SFC), der schwarze Frauen und ihre Kinder mit Beratungs- und Unterstützungsangeboten begleitet. Ein weiteres Angebot richtet sich speziell an somalische Frauen und beschäftigt sich unter anderem mit weiblicher Genitalverstümmelung. In Österreich sind davon rund 8.000 Frauen betroffen.
Der zweite Tag begann beim Frauenservice Wien (MA 57). Die Delegation erhielt Einblicke in unterschiedliche Beratungs- und Unterstützungsangebote, darunter Maßnahmen zur Verbesserung der Wohnsituation von Alleinerzieherinnen und den 24-Stunden Frauennotruf. Dieser bietet Frauen und Mädchen ab 14 Jahren, die von Gewalt betroffen sind, rund um die Uhr kostenlose und vertrauliche Unterstützung.
Ausreichend Ressourcen ermöglichen schnelle Hilfe
Besonders beeindruckt war die Berliner Delegation vom Verein Wiener Frauenhäuser. Die Einrichtung bietet gewaltbetroffenen Frauen und ihren Kindern Schutz sowie psychosoziale und rechtliche Unterstützung. Dafür stehen 225 Frauenhausplätze und ergänzend 450 Plätze in Übergangswohnungen zur Verfügung, die den Weg in ein selbstständiges Leben erleichtern. In Berlin hingegen erschwert der Wohnungsmangel den Schritt in ein eigenständiges Leben erheblich.
Zum Abschluss des zweiten Tages besuchte die Berliner Delegation den Verein LEFÖ, der sich für Gleichberechtigung, Partizipationsmöglichkeiten und die Verbesserung der Lebenssituation von Migrant*innen in Österreich einsetzt. Dabei wurde die Arbeit der österreichweit tätigen Interventionsstelle für Betroffene des Frauenhandels (IBF) erläutert. Diese bietet Schutz, Beratung und Begleitung für Betroffene von Menschenhandel und arbeitet eng mit Behörden und internationalen Partnerorganisationen zusammen. Thematisiert wurden auch Maßnahmen gegen die Ausbeutung von Hausangestellten in diplomatischen Haushalten.
Am dritten und letzten Tag nahm die Berliner Delegation an der FemCities-Konferenz im Wiener Rathaus teil. Dabei stand die Stärkung und Beteiligung junger Menschen im Mittelpunkt.
Weitere Informationen
Schwarze Frauen Community
Frauenservice Wien (MA 57) – Stadt Wien
Wiener Frauenhäuser
LEFÖ - Beratung, Bildung und Begleitung für Migrant*innen
FemCities (Englisch)
City-to-City Exchanges (Englisch) – European Urban Initiative